Was ist NBIA?

Neurodegeneration with Brain Iron Accumulation – eine Gruppe seltener, genetisch bedingter neurologischer Erkrankungen

Allgemeine Beschreibung

NBIA umfasst eine Gruppe seltener, genetisch bedingter neurologischer Erkrankungen, die durch eine abnorme Ablagerung von Eisen in den Basalganglien des Gehirns gekennzeichnet sind. Die Basalganglien sind tiefgelegene Hirnstrukturen, die eine wichtige Rolle bei der Bewegungssteuerung spielen.

Die Erkrankungen verlaufen progressiv und führen zu zunehmenden Bewegungsstörungen. Das Syndrom wurde erstmals 1929 beschrieben. Die genetischen Ursachen wurden schrittweise ab 2001 entdeckt, als das erste NBIA-Gen (PANK2, verantwortlich für PKAN) identifiziert wurde.

Häufige Symptome

Je nach Subtyp und Stadium können folgende Symptome auftreten:

  • Entwicklungsverzögerungen im Kleinkindalter
  • Gleichgewichts- und Koordinationsprobleme
  • Sprachschwierigkeiten
  • Progressive Muskeldystonie
  • Parkinson-ähnliche Symptome (Tremor, Rigidität, Verlangsamung)
  • Unwillkürliche Bewegungen
  • Psychiatrische Komplikationen und kognitive Beeinträchtigungen

Derzeit gibt es keine kurative Behandlung für NBIA. Die Therapie zielt auf die Linderung der Symptome ab.

Diagnose: Die Diagnose erfolgt meist durch MRT (Nachweis der Eisenablagerungen), genetische Analyse und klinische Untersuchung. NBIA-Erkrankungen sind sehr selten und werden häufig erst nach langer Diagnoseodyssee erkannt.

PKAN – Pantothenate Kinase-Associated Neurodegeneration

PKAN ist die häufigste Form von NBIA und wird durch Mutationen im PANK2-Gen verursacht. Das Gen kodiert das Enzym Pantothenate Kinase 2, das für den Coenzym-A-Stoffwechsel essenziell ist.

Symptome

  • Beginn typischerweise im Kindesalter (klassische Form: <10 Jahre)
  • Progressive generalisierte Dystonie
  • Dysarthrie (Sprechstörung) und Dysphagie (Schluckstörung)
  • Pigmentäre Retinadegeneration (Sehverlust)
  • Im MRT: charakteristisches «Eye-of-the-Tiger»-Zeichen im Globus pallidus

BPAN – Beta-propeller Protein-Associated Neurodegeneration

BPAN wird durch Mutationen im WDR45-Gen verursacht, das auf dem X-Chromosom liegt. Es betrifft vorwiegend Mädchen und Frauen (de-novo-Mutationen).

Symptome

  • Kindheitliche Entwicklungsverzögerung und Epilepsie
  • Stabiler Verlauf in der Kindheit, dann rascher Rückgang im Erwachsenenalter
  • Parkinsonismus und Demenz ab dem 2.–3. Lebensjahrzehnt
  • BPAN gilt als die häufigste NBIA-Form

MPAN – Mitochondrial-membrane Protein-Associated Neurodegeneration

MPAN wird durch Mutationen im C19orf12-Gen verursacht, das 2011 identifiziert wurde. Es ist besonders häufig bei Patienten aus dem Iran und Polen.

Symptome

  • Gangstörungen als erstes Anzeichen
  • Progressive spastische Parese und Dystonie
  • Neuropsychiatrische Auffälligkeiten und kognitive Beeinträchtigungen
  • Optikusatrophie (Sehnervschwund)

PLAN / INAD – PLA2G6-Associated Neurodegeneration

PLAN wird durch Mutationen im PLA2G6-Gen verursacht (entdeckt 2006). Die infantile Form (INAD) beginnt im Säuglings- oder Kleinkindalter und schreitet rasch voran.

Symptome

  • INAD: Beginn zwischen 6 Monaten und 3 Jahren, rasche Regression
  • Ataxie, Hypotonie, Sehstörungen
  • Atypische Form: späterer Beginn, langsamerer Verlauf, Parkinsonismus

FAHN – Fatty Acid Hydroxylase-Associated Neurodegeneration

FAHN wird durch Mutationen im FA2H-Gen verursacht und ist sehr selten.

Symptome

  • Beginn im Kindes- oder Jugendalter
  • Spastische Tetraparese, Dysarthrie, Dystonie
  • Cerebelläre Ataxie und Optikusatrophie
  • Langsam progressiver Verlauf

Kufor-Rakeb-Syndrom

Das Kufor-Rakeb-Syndrom wird durch Mutationen im ATP13A2-Gen verursacht und wurde nach einem jordanischen Dorf benannt, in dem die Erkrankung erstmals beschrieben wurde.

Symptome

  • Früh-onset Parkinsonismus (Jugendalter)
  • Supranukleäre Blickparese
  • Pyramidale Zeichen und Demenz
  • Überwiegend autosomal-rezessiv vererbt

Idiopathische / Unbekannte NBIA

Bei einem Teil der Patienten mit typischem NBIA-Bild (Eisenablagerung im MRT, klinisches Bild) kann trotz umfassender genetischer Diagnostik kein verursachendes Gen identifiziert werden. Die Forschung zur Aufdeckung weiterer NBIA-Gene läuft.